Arbeit und „plötzlich“ ein Kind

Meinen Zwerg zu bekommen ist natürlich das größte Glück in meinem Leben; ich habe das Augenmerk dieses Blog jedoch bewusst auf den Aspekt „Arbeit“ gelegt.

Arbeit ist mehr als Arbeit für mich. Ich liebe meine Arbeit (ja, tatsächlich) und bin überzeugte Verfechterin „Neuer Arbeitsweisen“. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder seinen Job lieben kann.

Umso einschneidender war für mich der Moment, als ich in den Mutterschutz ging und meinen Vollzeitjob hinter mir ließ. Klar, ich bin noch im Kontakt mit meinem Team, tausche mich mit Kollegen innerhalb und außerhalb des Unternehmens aus, aber meine Themen musste ich abgeben und ganz ehrlich, es ist eine gewaltige Veränderung, wenn man das, womit man sich 50 Stunden (oder auch gerne mehr) die Woche beschäftigt hat, loslassen muss. Direkt gesagt: ich habe mein bisheriges Baby abgeben müssen, und das war nicht einfach.

Runterschalten – nicht mit mir

Warum der Mutterschutz-Clash wahrscheinlich noch heftiger kam bei mir, lag wohl an der veränderten Teamsituation. Meine Kolleginnen waren neu, keine länger als 5 Monate im Job und dann gehen die zwei Team-ältesten in Karenz (meine Kollegin in 1 Monat vor mir). Für mich stand also alles andere am Programm, außer runterzuschalten, ganz im Gegenteil, endlich gingen die Themen, die ich jahrelang trieb (gefühlt) auf. Dinge, wofür ich brannte, kamen langsam ins Rollen.

Obwohl Veränderung in meinem Job eine große Rollte spielt (Change Management – wir sehen uns als aktiver Treiber der Veränderung), machte mir diese persönliche Veränderung ein wenig zu schaffen.

Ich erinnere mich genau – an meinem letzten Arbeitstag verließ ich das Office mit einem lachenden und – in der Tat – mit einem weinenden Auge. Ich freute mich unglaublich auf meinen Sohn und konnte den Tag seiner Geburt kaum erwarten – bis dahin waren es jedoch 56 Tage ohne Mission. Zu oft hörte ich, wie sehr mich mein Umkreis dafür beneide, aber ich rangte mit dem Gefühl der Nutzlosigkeit. Ich hasse dieses Gefühl, Tage „abzuleben“ ohne etwas zu erleben oder etwas Sinnvolles zu tun. Und wie erwähnt, das zu einem Zeitpunkt, an dem ja noch so viel in meinem Job zu tun gewesen wäre. …

Warum das loslassen einfach nicht einfach ist.

Karenz ist nicht wie ein Jobwechsel.

Bei einem Jobwechsel ist alles neu, man blickt gespannt auf eine Art Neustart. Eine Karenz hingegen ist viel mehr wie eine Pinkelpause während einem Kinofilm. (Sorry fr die Analogie, mir ist noch immer keine bessere eingefallen). Klar, man holt sich auch gleich Popcorn und ne Cola – man ist also neu gerüstet für den Film, aber der Film selbst rennt weiter. Man bekommt eigentlich nicht mit, was währenddessen passiert und steigt zu irgendeinem Zeitpunkt wieder ein. Mit geänderten Rahmenbedingungen – die Perspektive, wie man Dinge betrachtet, hat sich geändert. In meinen Augen ist die neue Perspektive ein riesen Gewinn, doch noch nicht alle Unternehmen und Führungskräfte sehen das so wie ich.

Leider hat Karenz beruflich meist einen Rückschritt zur Folge. Weniger Zeit, anderer Fokus, „verweicht“ – das war das Bild, das man(n) von Karenzrückkehrerinnen hatte. Das Karriereende war absehbar. Ich habe einfach zu viele Frauen gesehen, deren Karriere an den Nagel gehängt wurde – und zwar durch die Entscheidung anderer. Man musste wählen: Vollzeit-Karriere oder Familie. Im Management konnte sich nur halten, wer ersteres wählte. Ich selbst zeige großen Respekt gegenüber Frauen, die sich für ihre Karriere entschieden: zerreißen ihre Gefühle sie nicht? Nach einem Jahr nahezu 24/7 mit ihrem Kind, und dann max. 2-3 Stunden. Puh. Not easy, wohl noch schwieriger, als der Schritt von Job in den Mutterschutz.

Muttersein stärkt Führungskompetenzen

„Neues Arbeiten“ oder „New Work“ hin oder her – dieses Bild ändert sich nur langsam. Vereinzelt treffe ich Frauen, die das Gegenteil beweisen. Beruflicher Erfolg und Kind sind kein Widerspruch: soziale, emotionale Kompetenzen sind nicht nur in Führungspositionen immer mehr gefragt. Man spricht von Leadership statt Management (Vorbild sein vs. Arbeit organisieren). Lernt man nicht vor allem als Mutter was es heißt, ein gutes Vorbild zu sein und andere Menschen zu inspirieren? Innovation heißt kombinieren und Neues entdecken, ist es nicht das, was man mit einem Kind erlebt? Klingt für mich sehr nach Kompetenzen, die im digitalen Zeitalter mehr denn je gefragt sind.

Und trotzdem blicke ich fragend in die Zukunft: Wie wird wohl mein Wiedereinstieg?

Ich bin zuversichtlich. Wie gesagt, Neues Arbeiten ist am Vormarsch und immer mehr Menschen denken um. Denn es sind wir Menschen, die uns unser Leben und unsere Arbeit gestalten. Nicht Trends, nicht das digitale Zeitalter, nicht die Medien. Jeder einzelne, kann etwas zu dem neuen Bild beitragen, und genau das sehe ich als meine Mission.