Mutterschutz – was nun? Wie ich die Umstellung meisterte

In meinem Blog „Arbeit und plötzlich ein Kind“ habe ich das Thema bereits angerissen. Für mich war der Start meines Mutterschutzes ein Clash: die 8 Wochen, die vor mir lagen, riefen ein merkwürdiges Gefühl in mir hervor. Ich kann nicht genau sagen, was genau in mir vorging, aber es war dieser Hauch von Nutzlosigkeit, der mich verfolgte, wenn ich daran dachte, einfach in den Tag hineinzuleben. Sobald der Zwerg da ist, habe ich wohl alle Hände voll zu tun, aber die 8 Wochen bis dahin, wollte ich nicht nichts tuend verbringen.

Und plötzlich war er da, der Tag vor dem ich so Bange hatte: der 24.8.

Mutterschutz, was nun? Eine Freundin von mir arbeitete einfach weiter, Mutterschutz hin oder her. Als Selbstständige ist das (irgendwie und wohl nicht ganz legal) möglich, aber mir im Konzern wird das strikt gehandhabt. Also was tun? Ich liebe es, Pläne zu machen. Es gibt mir Sicherheit und macht mich lockerer. Klar, ab und zu wäre ein wenig mehr Spontanität wünschenswert, aber derzeit braucht diese noch einen Plan drum herum 😉 Genauso das Entspannen. Wenn es am Plan steht, ist es in Ordnung (klingt ein wenig krankhaft, wenn ich das so tippe  – aber naja,  haben wir nicht alle irgendeinen Tick?). Nun also zu meinem Plan für die kommenden 8 Wochen:

Dinge, die ich mir für meinen Mutterschutz vornehme:

Punkt 1: Organisiere eine Office-Abschieds- / Welcome-Baby-Party. Dies hielt mich mal eine Woche lang beschäftigt. Da ich es aber liebe, Dinge zu planen 😉 war das der perfekte Übergang von Job in den Mutterschutz.

Mutterschutz - Babyparty

Punkt 2: Vorbereiten. Wer mich kennt, weiß, bevor ich eine Sache angehe, bereite ich mich vor. Erst recht bei einer so großen Sache wie Kinderkriegen. Schon zu Beginn der Schwangerschaft habe ich mir jede Menge Bücher gekauft und ausgeliehen, ein paar von ihnen warteten noch, von mir gelesen zu werden.

Darüber hinaus stand auf meiner Checkliste: Kleidung shoppen und waschen, Kliniktasche packen, Dokumente für Zwerg-Anmeldung vorbereiten, Kindergarten besichtigen, Tagesmutter checken, Baby-Kurse für die Zeit nach der Geburt auswählen. Mehr zu den Erfahrungen folgen in meinen künftigen Blogs.

Punkt 3: Einstimmen. Zum Teil passiert das natürlich automatisch bei Dingen wie den Vorsorgeuntersuchungen, dem Babyzimmer einrichten oder dem Kinderwagenkauf. Meine Empfehlung: macht Letzteres offline. Es macht riesigen Spaß, diese Dinger auszuprobieren! Und ja, man sollte sie probieren; bei uns blieb der Kinderwagen die einzige Sache, die wir offline shoppen, alles andere bestellt sich super online und wenn man endlich die Pakete entgegen nehmen kann, ist dies auch meist nicht mehr mit einem nervtötenden Postfilialbesuch verbunden.

Mama-Tratsch

Ich stimmte mich auch ein, in dem ich meine Freundinnen mit Kindern traf. Schafft man als Arbeitstier ja nicht so oft, da die Kids um die Uhrzeit bereits schlafen, zu der ich normalerweise das Office verließ. Außerdem muss ich ehrlich gestehen: der Blick auf Kinder ist ein anderer, wenn man selbst noch keine hat. Ein abendlicher After-Work-Spritzer interessiert Paare ohne Kinder mehr, als Kindergeschrei und Babythemen. Gott sei dank ändert sich das mit der eigenen Schwangerschaft schlagartig 😉 Mittlerweile kann ich mich stundenlang über Baby-Stuhlgänge, Einschlafrituale und Begleiterscheinungen von Wachstumsschüben unterhalten 😀

Eine ganz liebe Freundin bekam Ende August – also zwei Monate vor mir – ihr erstes Baby und ich fieberte mit als ob es meines wäre. Nach Hedys Geburt konnte ich meine wirklich nicht mehr erwarten.

Mutterschutz - Baby

Punkt 4: Gehirn trainieren und Neues lernen. Ich bin ein absolutes Lerntier, ich liebe es, neues Wissen aufzusaugen, neue Dinge, auszuprobieren. Also entschied ich mich für ein Polnisch Intensivtraining. Da mein Freund aus Polen kommt, und ich nach 10 Jahren Beziehung entschied, Polnisch zu lernen, ohne aber wirklich einen Fortschritt zu sehen, war der Mutterschutz der perfekte Zeitpunkt, um sich dieser Sprache intensiver zu widmen.

Da mich Sprachen lernen aber eher aufwühlt (neue Vokabeln schwirren dann tagelang im Kopf herum), wollte ich auch etwas lernen, dass mich runterholt und entspannt. Und was gibt es da Besseres als Handwerkliches. Das direkte Feedback soll einen regelrechten Dopamin Rausch auslösen. Ich entschied mich fürs Häkeln und ja, es ist perfekt! Es lässt sich abends neben einen Film machen, in der U-Bahn oder kurz vor einem Nickerchen. Ich verband das Lernen (Schritt 4) gleich mit Schritt 3 – Einstimmen: ich häkelte Theos erstes Geschenk.

Mutterschutz - Neues Lernen

Punkt 5: Tue all die Dinge, für die du nach der Geburt nicht so wirklich Zeit hast und lass es dir gut gehen. Eine Freundin, die im Februar ihren Sohn bekam, lachte, als ich ihr in der Woche vor dem geplanten Geburtstermin den Tipp gab. „Warum sagen mir das alle Mütter“ – war ihre Reaktion. Aber ja, nütze den Mutterschutz: geh zum Frisör, lass dir eine Mani- und Pediküre machen, geh Shoppen. Letzteres kann ja eine Motivation sein, zu seiner ursprünglichen Kleidergröße zurückzukehren. 😉

In den ersten Wochen kommt man zu wenig! Mir wurde auch der Tipp gegeben, Essen vorzukochen. Machte ich nicht. Ich liebe es zu kochen und es hilft mir beim Entspannen. Kochen war aber auch das einzige, das ich ohne Hilfe locker hinkriegte. Haare waschen (geschweige denn färben), aufräumen, etc. geht wirklich schwer, wenn man permanent ein Baby im Arm hat. Insbesondere beim 1. Kind ist die Umstellung groß und ich wollte mich lieber dem Kleinen widmen, als mir selbst 😉

Und nicht nur bei mir war es so, alle meine Freundinnen erzählten mir, dass sie ihre Zwerge in den ersten Wochen kaum ablegen können. Klar, die Kleinen suchen die Nähe, Wärme und Geborgenheit, und die sollen sie auch bekommen!

Punkt 6: Pack deinen Partner ein und gönn dir ein letztes Wochenende zu zweit. Bei mir war es umgekehrt – mein Partner packte mich ein und lud mich spontan zu einem Kurztrip mit Cabrio ein. Auslöser war mein einziges Stimmungstief während der Schwangerschaft – rückblickend hat sich diese Stimmungsschwankung somit ausgezahlt 😉

Punkt 7: Sei noch ein letztes Mal so richtig Kind. Ich verbrachte (das erste mal seit meinem Auszug) eine ganze Woche bei meinen Eltern und ließ es mir gut gehen, ja, ich ließ mich sogar ein wenig verhätscheln. Länger im Bett liegen, einen Nachmittag lang lesen, entspannt im Garten liegen gehörte genauso dazu wie sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Und das war gut so, so schnell kommt man mit Kind einfach nicht mehr dazu.