Vorsätze sind schnell gebrochen – selbst gekochtes Essen für Babys

Als leidenschaftliche Köchin mit einer Kochbuch-Sammlung, die einer Bibliothek gleicht, und als jemand, der sich an noch so langen Arbeitstagen abends oder nachts hinstellt, um ein neues Rezept auszuprobieren, war mir eines immer klar: Fertig-Essen kommt nicht auf meinen Tisch – weder für mich noch für meinen Sohn. Es wir AUSSCHLIESSLICH selbst gekocht und nur von regionalen Anbietern und absolut Bio eingekauft. Püriertes, scheinbar ewig haltbares Fleisch in Gläschen ist außerdem außer grauslich nur noch grauslich!

Super Vorsatz … den ich natürlich nicht einhielt.

Wie es sich tatsächlich abspielte:

Die Voraussetzungen für meinen Plan schienen perfekt: Theo fing mit ca. 4 1 /2 Monaten an, großes Interesse für mein Essen zu zeigen. Er konnte seinen Blick einfach nicht mehr davon abwenden. Somit ließ ich ihn schon mal an einem Stück Karotte oder Apfel lutschen. Ihm mundete es 😉 zumindest machte es den Anschein. Somit entschied ich, bereits vor dem 6. Lebensmonat mit der Beikost zu starten.

Beikost Kochen Apfel
Erstes Mal Apfel probiert

Entsprechend dem Rat meines Kinderarztes stand an den ersten vier Tagen frischer Karottensaft am Programm. „Nur ein paar Löffel“ hieß es. KINDERSPIEL. Dachte ich. Also ab zum Bauernmarkt; die schönsten, größten und „bio-sten“ Karotten waren schnell gekauft.

Tag 1: Theo riss den Mund auf, drei Teelöffel voll Saft waren kein Problem. Ok, das ging gut. Er ist eben ein leidenschaftlicher Esser wie die Mami 😉 Paar Grimassen sind schon ok. Er kannte bislang ja nur den Geschmack von Mama-Milch, da darf man schon mal überrascht sein, wenn man was Neues in den Mund gesteckt bekommt. Und Mami konnte sich vor Lachen kaum mehr einkriegen 😉 Conclusio Tag 1 der Beikost Einführung: Was soll daran schwer sein?!

Tag 2: Zu meiner Überraschung blieb Theos Mund verschlossen. Kein Blödeln, kein Kitzeln – nichts half. Ein lustiger Mach-Deinen-Mund-Auf-Tanz schaffte es zwar, ihn zum Lachen zu bringen, doch sobald ich den Löffel in die Hand nahm, versiegelte sich sein Mund wieder.

Tag 3: same story – Theos Mund blieb verschlossen.

Tag 4: Mami wurde kreativ und dachte, sie könnte den kleinen Racker austricksen. Probieren wir es doch mal mit etwas Muttermilch am Löffel. Schwup – ein Tropfen des alt-bekannten, süßlichen Geschmacks auf der Lippe überzeugte und Theo verschlang die Milch. Die Karotte danach jedoch nicht mehr. Die Bio-Karotten bleiben für mich, denn an Tag 5 gab Mami auf. Dann pausieren wir halt noch mal.

Wird Theo jemals essen?

Im ersten Moment sah ich das recht gelassen. Doch dann überkamen mich plötzlich diese Angst-Gedanken (oh Mann, wie ich gerade diese typischen Mami-Eigenschaften an mir entdecke). Wird Theo jemals essen? Wird er ein schlechter Esser wie sein Papi? Was, wenn er sich für den Rest seines Lebens nur von Muttermilch ernähren will??? MUSS ICH EWIG STILLEN?? Wird Theo eines von diesen Kindern, das mit 2 Jahren die Bluse der Mama aufknöpft um ein wenig an der Brust zu nuckeln? Oh mein Gott .. .ich wollte doch mit 6 Monaten abstillen? (von heute auf morgen natürlich, denn so dachte ich vor dem Mama-sein, dass es funktioniert)

Fassung bewahren. Wird schon werden… Bevor du verzweifelt, versuch es besser nochmal 😉

Tatsächlich – Gläschen schmeckt dir besser?

Nach einer einwöchigen Pause probierte ich es also wieder. In meiner Beinahe-Verzweiflung besorgte ich ein Karottengläschen. So ganz entgegen meines guten Vorsatzes. Aber Karotte eingekocht ist doch nicht so schlimm. Und er wird es sowieso nicht essen, also brauch ich kein schlechtes Gewissen wegen des Gläschens haben. Und dann schwup, der kleine Kerl verputzte das halbe Glas. Einfach So.

Ganz war meine Motivation frisch zu kochen, noch nicht erloschen. Am nächsten Tag bereitete ich nochmals einen Bio-Karottenbrei zu – den er allerdings wieder verweigerte. Also gut, dann eben doch Gläschen. Nach einer knappen Woche Karotte pur, erweitere ich das Essen um Pastinake. Er liebte es. Aber eben nur das von Hipp …

So blieb es auch bei allen anderen Speisen bis zum 9. Lebensmonat 😉  Erst dann lernte er Mamis Kochkünste zu schätzen. So halbwegs zumindest.

Was ich dabei lernte:

  • Mein Sohn macht seinen eigenen Plan, und ich muss mich wohl danach richten.
  • Auch wenn jetzt manche Mütter aufschreien – ja, es gibt Schlimmeres als Gläschennahrung.
  • Gläschen sind nicht nur praktisch, sie geben auch Sicherheit: die Richtlinien für Babynahrung sind strenger als für herkömmliches Essen. Also lieber ein Gläschen als billiges Fleisch oder gespritztes Gemüse. Insbesondere in anderen Ländern kann ich so sicherstellen, dass mein Kind einwandfreies Essen bekommt.
  • Das Thema „was darf mein Kind essen“ kann man extrem ernst nehmen – zu ernst. Ja kein Zucker, kein Salz und auf keinen Fall vor dem 6. Lebensmonat; liest man in diversen Büchern, Foren und Co ist die Liste der No-Gos unendlich. Mein Arzt ist recht cool und meinte man muss nicht heiliger als der Papst sein… und mittlerweile sehe ich das genauso.

Beikost Karotte