Kindergarteneingewöhnung – warum es anders lief als erwartet

„Zurück zur Arbeit für Mami“ heißt irgendwann auch „ab in den Kindergarten“  für den Zwerg. Ein Meilenstein im Leben eines Kindes und seiner Eltern, dem viele angespannt entgegentreten. Unglaublich, welche Schauergeschichten, Alptraummärchen und Dramen auch ich zum Thema Kindergarteneingewöhnung vorab zu hören bekam.

Meine Devise jedoch lautete „beim einen Ohr rein, beim anderen raus“ – denn Theo war anders und ich wollte mich auf gar keine Weise verunsichern lassen. Ging ehrlich gesagt auch nicht, weil ich wusste, dass Theo den Kindergarten lieben wird!

Warum es das einfachste Ding auf Erden sein wird

Schließlich ist mein Sohn das wohl offenste Kind, das die Welt je gesehen hat. Er bleibt überall, geht mit nahezu jedem mit (ja das hat auch Schattenseiten – das ist mir vollkommen bewusst), flirtet mit Wildfremden in der U-bahn und ringt geradezu nach der Aufmerksamkeit anderer – außerdem liebt er neue Umgebungen und neues Spielzeug. Aktuell grüßt er beispielsweise jeden mit einem herzhaften „HI“. Da bleiben dann schon mal Leute neben unserem Wagerl stehen, um die man normalerweise einen großen Bogen machen würde.

Zurück zum Thema: neben seiner Offenheit, die Theo von Geburt an in sich trägt, entwickelte er kurz vor dem Kindergartenstart auch noch ein ungebremstes Interesse für andere Kinder. Das konnte am Spielplatz schon mal dazu frühen, dass Theo sich im Beobachten verliert und rund 20 Minuten lang andere Kinder anstarrt. Kindergarteneingewöhnung? KINDERSPIEL. (was für eine nette Doppeldeutigkeit)

Nun ja. Mit 15 ½ Monaten war es nun soweit (Papakarenz und ein längerer Thailandurlaub ließen uns noch Zeit gewinnen. Direkt mit 12 Monaten in den Kindergarten wäre für mich zu hart, denn da kann der Zwerg im Bestfall gerade mal ein paar Schritte laufen).

Projektplan „Eingewöhnung“

Da ich bereits nach 2 Arbeitsmonaten voll im Job stand und Theo ohnehin keine Probleme machen würde, war mein Plan hinsichtlich der Eingewöhnung dementsprechend sportlich.

7 Tage Urlaub, den restlichen Februar (also weitere 2 Wochen – ochja, da fehlen ja paar Tage im Februar .. ups) 12 Wochenstunden und dann geht’s los mit Teilzeit – was so viel hieß, wie Theo muss im Kindergarten sein Mittagsschläfchen machen.

Also los:

Tag 1 –Theo liebte es. Tatsächlich. Er wollte gar nicht gehen. Was für ein gutes Gefühl; Freude gepaart mit ein wenig überheblichem Stolz. Tja, hab’ ich es doch gesagt!

Tag 2: ach, der kleine Racker fühlt sich so wohl, dass Mami mal „aufs Klo gehen darf“. Kein Ding – mach ich auch sonst 😉  Auch wenn Theo die Umgebung noch nicht vertraut ist,  die Aufmerksamkeit eines Erwachsenen reicht ihm allemal – null Problemo also.

Tag 3 –5 – es lief einfach wie geschmiert und so steigerten wir die Zeit meiner Abwesenheit Tag für Tag.

Tag 6: Nach 3 Stunden bekam ich den Anruf, dass Theo recht müde sei und er es wohl nicht bis zum Mittagessen schaffen würde. Ok, das kommt wenig überraschend – neue Umgebung, 10 andere Kinder und volles Programm von 8-11:30; das gleicht kindlichen Höchstleistungen … kennen wir doch alle vom 1. Arbeitstag in einem neuen Unternehmen: unser Gehirn arbeitet auf Höchsttouren, ist uns doch alles fremd und können wir eben nicht auf bestehende Erfahrungen zurückgreifen. Noch dazu kommt ein gewisser Grad an Anspannung, der einfach dazugehört.

Tag 7: nach einem müden Ende an Tag 6 hat Mami einen riesen Fehler gemacht. Sie hat sich nach der Verabschiedung in der Garderobe des Kindergartens ein wenig mit anderen Eltern verplaudert. Tür geht auf, Theo ärgert sich just in diesem Moment (warum auch immer), Theo sieht Mami, Theo ist nicht mehr zu bremsen.  Seine Gefühle und seine Beine gehen mit ihm durch – mit Wasser-überströmten Augen eilt er auf mich zu. Ab diesem Tag ist alles anders.

Unentspanntheit, Unausgeglichenkeit oder doch mal wieder „nur“ die Zähne?

Grant. Purer Grant. Über jede Kleinigkeit wurde sich beschwert, man konnte die Stimmung nicht aufhellen. Weder im Kindergarten, noch zu Hause. Dazu kamen Tränen, sobald es hieß „Mama geht“. Er wurde tatsächlich zu einer Mami-Klette – ich hatte diese Art noch nie zuvor an ihm gesehen? Nicht mal bei den geliebten Großeltern wollte er einfach so bleiben.

Woran liegt das bloß? Liegt es daran, dass er mich dieses eine Mal in der Garderobe gesehen hat? Denkt er jetzt, ich sitze ständig nebenan, nur er darf nicht zu mir? Oder gibt es doch einen anderen Grund? Entwickelt er plötzlich Verlustängste? Fühlt er sich zurückgelassen oder sogar abgestoßen? Oder sind es doch mal wieder nur die Zähne, diese Mistdinger?

Oh Mann, wenn du dich bloß verständlich machen könntest, kleiner Mann. Ich hatte diese Reaktion einfach nicht erwartet. Umso härter traf sie mich wohl. Plötzlich spürte ich Gefühle, die ich in der Form noch nie zuvor in meinem Leben wahrnahm. Ich wurde nachdenklich, ich entwickelte Zweifel. Selbstzweifel.

Falsche Entscheidung?

War die Entscheidung der Kinderkrippe einfach schlichtweg falsch? Schadet sie meinem Kind? Was, wenn er genau deswegen eine Verhaltensstörung entwickelt? Übertrieben oder doch Realität? Liest man doch in diversen Erziehungsbüchern, welche gravierenden Auswirkungen kleine Entscheidungen auf die Psyche eines Menschen haben können.

Ist es einfach verantwortungslos, ein 15 ½ Monate altes Kind in die Kindekrippe zu geben? Ist es schlichtweg zu früh? Man hört sehr wohl, dass die ersten 2-3 Lebensjahre mit den Eltern verbracht werden sollten. Geht es ihm also schlecht ohne uns oder ist es einfach die Umstellung? Neue Regeln, geteilte Aufmerksamkeit, tägliche Routine … so viele neue Dinge, an die er sich erst gewöhnen muss..

Nun hörte ich doch auf die Erfahrung anderer …

Wie immer, wenn ich mich unsicher fühle, fing ich an, Expertenbücher zu lesen und andere zu befragen – in dem Fall genau die Mamis und Papis, die ich vor der Eingewöhnung so absichtlich und bewusst zu überhören versucht habe.

Was beide Quellen berichteten: Tränen sind leider die Regel. Abschiedsschmerz gehört dazu, ist es doch ein riesiger Veränderungsschritt im Leben eines Kindes, aber auch eines Elternteils.

Trotzdem verspürte ich eine Zerrissenheit – diese Gefühle, die für mich so unbeschreiblich waren und sind, ließen mich einfach nicht los. Eine ganze Woche lang ging ich mit diesen Gefühlen in den Kindergarten und zugleich wusste ich, dass ICH an MIR arbeiten muss, um Theo den Weg zu erleichtern. Denn diese Gefühle zerreißen nicht nur mich, sondern auch ihn.

Doch wie kommt man aus diesem Gefühlsbad wieder raus? (Fortsetzung im nächsten Blog)